Theorie der Assoziative Semantik & Meta-informative Centering
(ASMIC)


     Die  Assoziative Semantik (AS)  und die Meta-Informative Centering-Theorie (MIC) modifizieren und vereinigen in konsistenter Weise zwei stark debattierte Problemfelder der Linguistik: die Prädikat-Argument-Struktur (Modelle semantischer Relationen im Ausdruck natürlicher Sprachen – jedoch mit einigen Unsicherheiten bezüglich der angemessenen Abgrenzung genuin semantischer und syntaktischer Phänomene) und die Theorien der Informationsstruktur (der tatsächlichen Präsentation des Informationsgehalts so wie er in sprachlichen Aussagen realisiert wird), die jedoch fälschlicherweise einen  wichtigen Teil  der metainformativen Mittel der Sprachen ausgelassen haben, die üblicherweise als rein syntaktisch angesehen wurden.

AS und MIC sind ontologisch basierte Theorien, die jedoch klar zwischen einer Ontologie unterscheiden, die universell oder zumindest vielen Sprachen gemeinsam ist und der Semantik, die für jede einzelne Sprache spezifisch ist. Deshalb können diese Theorien als Grundlage eines kontrastierenden Vergleichs dienen, der es erlaubt, ähnliche oder gegensätzliche informative und meta-informative Inhalte zu identifizieren, die in verschiedenen Sprachen in unterschiedlichen morphosyntaktischen Formen ausgedrückt werden.


Essentials der Assoziativen Semantik (AS)


     Die semantische Situation wird als ein Schema und dessen Individuation definiert, das folgende drei Elemente enthält: Relationen, Rollen und Anker. Die Individuation der Relation wird als Rahmen bezeichnet, diejenige der Rollen als Partizipanten und diejenige der Anker als Unterstützung. Anmerkung: Die Rahmen semantischer Situationen sind teilweise im Hinblick auf Inklusion geschlossen und lassen sich nach folgendem Schema ordnen: Zustand < Ereignis < gewöhnlicher Prozess <  granulierter Prozess.

     Wir unterscheiden zwischen verschiedenen abstrakten ontologischen Ebenen. Anstatt auf der höchsten ontologischen Ebene Konzepte wie Agentive, Objective, Experiencer usw. zu benutzen, postulieren wir generalisierte Agenten, die auf der Grundlage charakteristischer Merkmale definiert werden wie z.B. (1) Kontrolle (Autonomie): Ziel und Feedback; (2) Emotion (Charakter): Wunsch und Absicht; (3) Epistemische Merkmale (Vernunft):  Glaube und Kognition, (4) Kommunikation (Sprachfähigkeit): verbal und visuell.

      In unserem Ansatz betrachten wir die Rollen und Anker als n-Tupel abstrakter isomorpher Konzepte. Die Rollen werden ontologisch als  einstellige neutrale, aktive und passive Relationen assozzierter semantischer Situationen definiert. Die assoziative Kombination ihrer Relationen gibt Anlass zur Ableitung medianer, d.h. vermittelnder  Rollen (instrumental, Mittel usw.). Beispiele für  Meta-Rollen sind:  (1) Aktive Rolle (Initiator, Verursacher, Ermöglichender, Täter, Wohltäter,  Ausführender,  Stimulans,  Quelle,  Urheber, Anstifter, usw.) (2) Passive Rolle (Terminator, Verursachtes, Affiziertes, Ermöglichtes, Nutznießer,  Empfänger, Ausgeführtes, Erleidender, Erfahrender,  usw.) und (3) Mediane Rolle (Mediator, Instrument, Vorteil, Motor, Mittel. usw.)

     Es ist zu beachten, dass derselbe Partizipant mehr als eine Rolle in einer gegebenen semantischen Situation spielen kann, die als ein Bündel assozzierter Situationen definiert ist. Wichtig ist auch, dass wir zwischen den drei folgenden Ebenen  unterscheiden:  flach, mittlere Ebene (Standard) und tief. Das flache Niveau semantischer Situationen wird dadurch charakterisiert, dass wenn unbelebte Entitäten (im Gegensatz zu Agenten) eine aktive Rolle annnehmen, dann werden sie semantisch interpretiert als seien sie belebt. Die aktiven Rollen, die ihnen zugewiesen werden, werden als Quasi-Rollen (Q-Rollen) definiert.


Essentials der Meta-Informativen Centering (MIC) Theorie


      Meta-Information bezieht sich auf die Art und Weise, wie Information in sprachlichen Aussagen angeordnet und verteiltist. Um die Anordnung nicht-linearer Repräsentationen in der Form von Texten zu erreichen (Sequenzen sprachlicher Aussagen), muss derSprecher ein Zentrum der Aufmerksamkeit (ZA) auswählen und darüber prädizieren. In der MIC-Theorie wird der Terminus „Prädikat“ deshalb für die meta-informative Ebene reserviert.

       Das wichtigste Konzept, das wir als Terminus Technicus eingeführt haben, ist das Zentrum der Aufmerksamkeit (ZA) (English: Center of Attention), das sich auf die Metainformation sprachlicher Aussagen bezieht. Die Theorie unterscheidet zwischen globalen und lokalen ZA in dreierlei Hinsicht:

   (a) Subjekt und Objekt (von Grundaussagen)
   (b) Topic und Fokus (erweiterter Aussagen)
   (c) Allgemeine und spezifische Themen (von Diskurs-Sessionen, Dialogen oder Texten)

     Man beachte, dass der Terminus „Meta-Information“ angemessener ist als der Terminus „Information“, um die Grund- und erweiterte Aussagen in natürlichen Sprachen zu definieren.